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Freitag, 31. August 2012

147. Pilgertag 19(?): Das Dorf mit den besten Herbergen!?!

Aufstehen!
Auch wenn der Kopf von den 5 Flaschen Wein ein wenig meckert, gibts keine Ausreden.
31km ist heute das Streckenziel - also keine Müdigkeit vortäuschen!
Glücklicherweise legen wir heute die letzten Kilometer der Meseta zurück - ab jetzt wirds also wieder abwechslungsreicher.

Auch kommen wir heute in Hospital de Orbigo vorbei - eine wunderbare kleine Ortschaft. In der einen Herberge war ich letztes Jahr schon, die andere haben wir uns dieses Jahr mal - ohne Übernachtungsabsichten, weil wir weiter wollten - staunend angeschaut: Bestimmt 50, von Pilgern gemalte Kunstwerke (also Bilder) sind dort ausgestellt. Man fasst es nicht! So viel Talent! Echt empfehlenswerter Ort.

Doch wir .. müssen weiter.

146. Follow your Dream

Gesprächsthemen kommen schnell auf, so dass klar wird, dass wir, nachdem ich mal wieder meine Sachen in die Waschmaschine gesteckt hab, erst zusammen einkaufen und dann zusammen Abendessen machen werden! :)

Also: Wein + Nudeln + Tomatensoße + Karotten + Kartoffeln. Bizniz as usual.

Später gesellen sich noch Sylvia (die Fotografin der Bilder in meinem Pilgerführer) und Max (ihr 14-jähriger Sohn, ist Schalke-Fan) zu uns. Wir sprechen über unsere jeweiligen Beweggründe für den Camino.

Sonstige Anekdoten des Tages:
- Die knarzende Tür in unserem Zimmer hat immer das gesamte Haus aufgeweckt, bei jeder Bewegung. Und wir konnten rein gar nicths dagegen tun!
- Die Stiche gehen zurück! :)
- Es ist verdammt lustig, nem gläubigen Italiener, während wir zu 2t vor den 2 Duschen stehen, zu fragen, ob wir uns nicht eine Dusche teilen wollen. Ich kann mich noch heute wegschmeißen, wenn ich mich an seinen Gesichtsausdruck nach dieser Frage erinnere.
- Knallerkommentar von Andreas: "Das Rascheln der vielen Tüten macht mich immer wahnsinnig! Dabei weiß doch jeder, dass es nur eine Sache gibt, die nachts rascheln darf!". Ich: "Öhm. Und was?" - Er: "Die Packung von Kondomen!" :D

@Andi & Gerd: Am 30.08.2011 waren wir in Villar de Mazariffe zusammen. Geiler Tag, oder?

145. Homosexuelle sind oft schwul

Dusche. Mittagsschlaf. Schwul.
Schwul???
Nanu? Ach so. Ja. Schwul!

Nachdem Enzo, Sonja und ich unser 4-Bett-Zimmer eingenommen haben, bleibt laut Adam Einstein noch 1 Bett lerr.
Also kommt noch wer dazu. In diesem Fall: Andreas!
(Und: Achtung! Nicht verwechseln mit meinem geliebten Andi Eschbach oder meinem ein bisschen weniger gliebten Andi aus dem Duo Andi & Gerd (nicht zu verwechseln mit Ernie & Berg) oder meinem Rocka!)

(Da ich persönlich das Wort "schwul" (Battlerap lässt grüßen) auch mal gern politisch unkorrekt in den Mudn nehme, hab ich mich hier erstmal zurück gehalten. Vielleicht ist Andreas ja gar nicht schwul! Es war uns aber trotzdem allen relativ schnell klar.)

Das Hape-Buch habe er mehrere Male gehört. Augenklappe und Ohropax gehören zum wichtigsten Inventar. Und das Laufen ist ziiemlich hart. Nun ja. Bestätigte Klischees eben.

Donnerstag, 30. August 2012

144. Sie und ich und ich und sie ... und er

Tja. Ein weiteres Beispiel dafuer, dass Plaene auf dem Jakobswege verschwendete Lebenszeit sind, steht dann ploetzlich vor mir.
Nahcdem ich die Haelfte der kurzen Strecke geschafft hab: Sonja.
Mit Enzo im Schlepptau, mit dem sie gestern in einer Herberge uebernachtet hat.
Enzo, Italiener, traegt ein Kreuz um seinen Hals, ein grosses (ok, mittelgross).
Und findets nett, mich zu treffen.

Wir gehen zusammen weiter.
In "meine" alte Herberge.
Und ishc mir mein altes Bett aus.
Hach, wunderbar.

Irgendwie ist es schon manchmal auch super, wenn ein Plan funktioniert.

144. Pilgertag 19: Jesus ruft

6.45 Uhr.
Durch Leon kenn ich ne Abkuerzung.
2 Moeglichkeiten heute:
Den Rat des Pilgerfuehrers - oder, fuer "ausgesprochenen Masochisten, eingefleischte Autoliebhaber und Menschen, die auf dem Jakobsweg besonders grosse Suenden abbuessen wollen" die zweite Variante.

Eigentlich spricht alles fuer Variante 1:
Ist kuerzer, ist schoener, ist bekannt.
Doch auf Weg Nummer 2 soll ne oberkultige Herberge sein.
Zwar nicht in meinem Pilgerfuehrer verzeichnet - aber wurde mir trotzdem empfohlen.
Ist wohl aber einfach nur zu klein.

Trotzdem: Der Plan: Wie letztes Jahr zu Jesus nach Villar de Mazariffe.
Dort, wo ich Gerd, Andi und Rhea letztes Jahr kennen gelernt hab.
Und dort werde ich meine Erinnerung an sie auffrischen.

143. Leon gehoert wieder mir

Genug Platz hab ich zumindest.
Die Nachmittagsschnarcher nerven zwar jetzt schon.
Kostenloses Internet nur fuer mich (die anderen muessen zahlen, weiss nicht warum) ist aber wieder ein guter Ausgleich.

Ich laufe durch Leon. Ach was. Ich fliege.
Ich hab ein gutes Gefuehl.
Die Stadt gehoert wieder mir!

Pommes schmecken dort aber irgendwie nicht so.
Ein paar Hochzeiten werden heute gefeiert.
22 Uhr soll abgesperrt werden im Kloster.
Um der Bad-Rush-Hour aus dem Weg zu gehen, bin ich schon um 21.30 Uhr im Bett (Uebrigens in nem Schlafzimmer nur fuer Maenner. Gibt hier strikte Frauen/Maenner-Trennung).

Ploetzlich laeuft aber ne Nonne durchs Zimmer, macht alle Lichter an, weckt die schon Schlafenden: Zum Abendgebet, bitte.
Ein paar gehen. Andere, wie ich, bleiben liegen.

Doch sie beten, singen, feiern draussen.
Fuer ein Kloster ganz schoen gesellig.
Wenn sie nicht alle ihre Kutten tragen wuerden, waere es fast interessant.
Fast.

Mittwoch, 29. August 2012

142. Wie alles begann

Vor knapp 1 Jahr hab ich hier in Leon meine ersten Schritte auf dem Jakobsweg gemacht.
Um den Anfang und die Unsicherheit vom letzten Mal noch so richtig nach vollziehen zu koennen, will ich unbedingt wieder in meine alte Herberge.

Doch: Geschlossen.
Genau wie die Municipal.
Schaut irgendwie nach Gesundheitsamt aus.
Bettwanzen also? Nun ja.

Einzige kostenguenstige Alternative ist das Kloster. Also dorthin.
13 Uhr bin ich dann da und schon Nr. 120 von 148 Betten.
Da werden einige Leute fluchen, weil sie keinen Platz mehr in Leon bekommen.

Eine kirchliche Herberge also schon wieder. Sogar ein Kloster.

Was mich da jetzt wohl erwartet?

141. Pilgertag 18: Der naechste Versuch

Meiner Wade gehts seit den Bierchen von gestern abend besser.
Keine Ahnung warum, aber langsam glaub ich, dass Alkohol ne beruhigene Wirkung hat auf den Koerper.

Mein Ruecken faengt dafuer aber an, ein bissl zu stressen.
Aber ist fast nicht erwaehnenswert.

Erwaehnenswert ist aber, dass wir uns wieder entscheiden, den Weg ab jetzt getrennt zu gehen.
Ich bleibe wieder zurueck.
Sie geht wieder voran.

Ob das was werden kann?

140. Was Frauen wollen ..

Ein Zitat .. wenn auch nicht von Helen Hunt oder Mel Gibson: 

Aber manchmal wollen Frauen eben das, was sie nicht wollen.
Oder andersrum. Frauen eben, Mann kann es ihnen nicht recht machen.
Und am Ende wollen sie es eigtl. auch gar nicht, dass Mann es ihnen recht macht. 


 .

139. Wir essen zu Dritt

Doch bevor wir schlafen gehen, kommt ja noch der Abend davor.
Nachdem ich vom Duschen komme, taucht Sonja auf:
"Kommst du essen? Ach ja, wir essen uebrigens zu Dritt!"

Ahja. Zu Dritt. Na dann. Solang Ihr kocht, bin ich dann wohl einverstanden.
Max aus Bamberg isst mit.
Max aus Bamberg?
Koennte interessant werden.
Ich glaub, ich kauf erstmal noch bissl Bier ein.

Max kommt aus der Naehe von Hassfurt, beim TSV Trappach hat er mal Fussball gespielt. Jetzt arbeitet er in Madrid, fuer die Bundeswehr bzw. fuer irgendein internationales Gemeinschaftsprojekt. Airfighterdingenspiupiupiu.
Wir reden ueber Fussball (er ist ja eigentlich Franke. Und traegt ein Real-Madrid-Trikot!), Filme, seinen Aufenthalt in tiefsten Bayern und nun in Spanien.

Und ich komm zum Schluss, dass die Frauen, dieser Erzaehlung bzw. Bestaetigung diverser Klischees und Vorurteile nach, ja so ueberhaupt nichts fuer mich sind.
Und Ausnahmen .. haben die Regel.

(... Humor laesst gruessen ...)

138. Die gleiche Botschaft

Nur in unterschiedlichen Worten und Musikstilen verpackt ..

Why cant you just leave me alone? Solitude is a faithful friend. Turn the lights off - Im not home, cant you see - I dont need your help!
Sie wollen uns - ruhig halten, mit Pharmatabletten. Sie machen uns - ohnmächtig, wie Marionetten. Sie handeln - unmenschlich, sie halten uns in Ketten. Fick die Welt! Fick die Welt!

Dienstag, 28. August 2012

137. Aussaetzig

Tja. Doppelt negativ haelt besser.
Eine E-Mail aus der Heimat ueberbringt schlechte Nachrichten: Ich kann meine Arbeit nicht wie erhofft etwas spaeter beginnen. Ab jetzt hab ich also nen gewissen Zeitdruck.

Und dazu noch dreht mein Koerper weiterhin durch.
Die Stiche dehnen sich aus. Ich fuehle mich haesslich.
Die Viecher sind da, irgendwo.
Alsoe eine weitere heisse Waesche. Mit Allem, was ich hab.
Es juckt wie bescheuert.

Eine schreckliche NHacht steht mir bevor.
Die Leute schnarchen.
Alles juckt, immer.
Jede Bewegung laesst meine Bettgestell quietschen.

Koennte mich bitte wer erschiessen?

136. Pilgertag 17: Elvis lebt

Ein spaeter Aufbruch heute.
Zusammen. Scheiss auf Plaene!

Erstmal weitere 13km durch die Meseta, meine Waden stressen mich zwar weiterhin, aber von meinen Waden lass ich mir nicht den Tag versauen.

@Sandra: Falls Du irgendwann mal den Jakobsweg laufen wirst, uebernachte unbedingt in Reliegos. Ich garantiere Dir ne Feier(laune), die Du sehr sehr lange nicht mehr vergessen wirst.

Doch mir ist nicht nach Feiern zumute. Mir gehts wieder dreckig.
Es dehnt sich weiter aus. Es juckt. Ich bin fuer nen kurzen Tag.

Apotheke, wo bist Du?

Montag, 27. August 2012

135. Lost Chapter III - Was faellt uns ein?

Im Garten.

134. Empfohlene Nebenroute

Tja. 81km.
Ich muss heute viel schaffen. Und lange laufen.

Doch die Meseta verlangt mir schon viel ab.
Doch ich muss weiter. Wenn ich heute nicht ueber 40km schaffe, wird der Trip morgen noch haerter.
Also lieber heute nen sehr harten Tag - und morgen dafuer dann nur noch nen harten Tag.
Motivationstechnisch duerfte das besser sein.

Mein Pilgerfuehrer vertraut mir das Geheimnis an, dass ich heute 2 Moeglichkeiten hab: Den Hauptweg - oder die empfohlene Nebenroute. Ich entscheide mich fuer den Hauptweg und ignorieren die Empfehlung - einfach, weil cih auf dem Hauptweg heute weiter kommen duerfte.
Doch nach 42,4km (nicht miteingerechnet: 2-3km Verlaufen), es ist mittlerweile abends, sagt mein Koerper deutlich: Stop! Oder es bufft!

Na gut. Morgen dann 39 und ein paar zerquetschte. Das ist schaffbar.
30km durch die unendliche Meseta, puh.
Doch jetzt erstmal ne Herberge finden! Halb 7 ist, seh ich in der Municipal (ich selbst hab ja keine Uhr oder Handy hier in Spanien dabei, lebe praktisch zeitlos) - natuerlich ist diese aber auch schon voll. Waer ja auch zu schoen gewesen. Also in ne private Herberge.
Die Leute beschreibem mir von dort aus mehrere Moeglichkeiten. Doch ich .... bin zu fertig und hab nach dem ersten Schritt schon wieder alles vergessen.

Und ich bin fertig. Wuerde am liebsten jetzt alles hinschmeissen.
Und wieder bocken.
Doch am Ende find ichs dann doch noch.

Und wer hat als letztes vor mir eingecheckt?
1x duerft Ihr raten.

133. Jaques De Molay

Ich starte als einer der letzten in der Herberge.
Doch kann mein Tempo gehen.
Und mein Tempo ging bisher diesees Jahr noch niemand mit.
Also vorbei.
Vorbei an der Herberge von Jaques De Molay,
vorbei an den vielen schlaftrunkenen Pilgern.

In Sahagun will ich eine Pause machen.
Ein Biergarten. Der schaut wunderbar einladend aus.
Doch Stop.
Da sitzt ... sie.
Rueckzug.
Eigene Wege. So war der Deal.
Also gegenueber in einen Pub, Hamburguesa und 2 Biere in der Mittagshitze, waehrend ich schreibe.
Das Bier war im Nachhinein nicht die beste Idee.
Aber da muss ich nun durch.

Dann noch Einkaufen fuer die weitere Strecke.
Und .. hicks .. weiter.

132. Eigene Wege



Sonntag, 26. August 2012

131. Pilgertag 16: Getrennte Wege

Gestern abend haben wir uns entschieden, dass wir 2 erstmal getrennte Wege gehen.
Nicht, dass irgendwas nicht stimmen wuerde.
Doch wir wollen beide sehen, was der Weg fuer uns noch vorgesehen hat.
Und auch alleine sein. Nachdenken. Den ein oder anderen Gedanken verfolgen.
Vielleicht Entscheidungen treffen.

Ohne eingespielte Gespraeche.
Traditionen. Unabhaengig. Allein.

Sie bricht deswegen frueh auf.
Ich schlafe aus.
In 2 Tagen koennen wir uns ja wieder treffen.
In Leon, sagt sie.
Als ich aufstehe und gestartet bin, schau ich in meinen Pilgerfuehrer: 81,3km. An 2 Tagen.
sie muss sich verschaut oder verplant haben.
81,3km. Durch die Wueste! Das werden harte Tage.
Aber ich werd nen Scheiss tun. Was der Mensch will, schafft er.
Ich werde morgen abend in Leon sein, koste es, was es wolle.
Wenn man sich nicht mehr auf mich verlassen kann, kann man sich doch auf niemanden mehr verlassen.

Fuesse. Ihr muesst zu mir halten.

130. Auf der Veranda

Auf in die Herberge.
Sonja voraus. Ich hab Angst, dass man mich nicht reinlaesst.
Doch wir kommen rein.
Ein Pool kann heute genutzt werden.
Einerseits natuerlich ne grosse Verlockung. Andrerseits: Jeder, der darin schwimmt, hat doch gerade am Koerper Blasen, Narben, wunde Stellen. Ob die maximale Chlordosierung wirklch alle Keime abtoetet?
Ich weiss nicht. Wills nicht ausprobieren.

In der Bar in der Naehe gibts auch nichts Richtiges, Gutes zu essen.
Naja, schauen wir halt Olympia. Wasserball. Spanien gegen die USA.
Aus aktuellem Anlass bin ich mehr gegen die Spanier als gegen die Amis.
Naja. Die Schuetzrichter entscheiden eh.
Und wir ... legen uns auf die Veranda.

129. Gib mir die Hand!

Denk nicht lange nach!
Wir fahr'n auf Feuerrädern
Richtung Zukunft durch die Nacht
und ich sage: 
Gib mir die Hand!


128. Pilgertag 15: Mond, Licht und Schatten

Heute muessen wir frueh los. Es wird heiss. Und es wird Meseta pur.
Kurz nach 6 sind wir schon unterwegs, sehen zu, wie der Mond langsam verschwindet. Und die Sonne aufgeht.

Vorbei gehts heute auch an der "Pilgerautobahn":

"Es handelt sich um einen speziell fuer Pilger angelegten Weg, der hier errichtet wurde, nachdem es vorher zu einigen toedlichen Unfaellen gekommen war. Der historische Jakobsweg wurde ueber die Jahrhunderte hinweg immer besser ausgebaut und endet dann schliesslich als Strassse. Als dann spaeter die Fusspilgerreise wiederbelebt wurde, stellte sich das eben genannte Problem."

Die erste Pause wird heute untermalt von kirchlicher Musik, ein kleines Katzenbaby versuesst uns den Morgen, dasd Anti-Bug-Spray wird exzessiv genutzt, bevor es dann in die Meseta geht.
18km.

"Meseta pur! Das nun folgende Stueck gehoert zu den haertesten und fuer viele auch zu den spirituell aufregendsten des Weges: Die absolut ebene, meist einsame und schattenlose Landschaft ist eine echte Herausforderung fuer Koerper und Geist, die Besonnenheit und gleichsam Gelassenheit verlangt. Brechen Sie am besten frueh auf und durchqueren Sie das Stueck in den Morgenstunden mit (Achtung!) genug Wasser und Proviant fuer 18km und einer Kopfbedeckung.
Auf der Mitte der Strecke gab es 2010 eine Bar, auf deren Dienste man sich aber sicherheitshalber nicht 100 % verlassen sollte."

Und es ist wirklich hart. Wenn ich nicht zu 100 % davon ueberzeugt gewesen waere, dass mir der Weg nichts anhaben kann, haette es Situationen gegeben, in denen ich einfach keine Lust mehr hatte. Lust darauf hatte, Rucksack und Pilgerstab weit von mir weg zu schmeissen .. und einfach zu bocken!

18 Kilometer. Nur gerade aus. Kein Bach, keine Bruecke, kein Dorf. Kein .. Nichts!
Kein Schatten. Wir waren wirklich vorbereitet. Doch unser Wasser war weg. Gegessen hatten wir auch alles.

Gegen Mitte der Strecke sollte die Bar kommen. Wir sahen irgendwann nur nen Wohnwagen, wenn man das Ding ueberhaupt so nennen durfte.
Und wir liefen. Und liefen. Und die Sonne prallte uns auf die Koepfe. Und wir liefen.

Wenn dann noch die Bar ploetzlich aufgetaucht waere, haette ich kurz vor der Verzweiflung gestanden. Das haette bedeutet, dass wir erst die Haelfte geschafft haben.

Aber der Wohnwagen war wirklich die Bar. Und wir .. standen ploetzlich vor unserem Ziel. Die Herberge.

127. Tag 13 und 14: Protokoll lueckenhaft

2 Tage keine Aufzeichnungen?

Ja, scheinbar.
Weils mir dreckig ging.
Meine Koerperteile waren eigentlich alle soweit ok.
Daran lags nicht.

Es waren die Bad Bugs, Bed Bugs.
Bettwanzen, die mir zeiten, wie maechtig sie in Wirklichkeit sind.
Stiche machen mir normalerweise nichts aus.
Nicht kratzen. Ignorieren.
Dcoh wenn ploetzlich dein halber Koerper voller Stiche ist, diene Fuesse, Haende, Arme uebersaet davon sind und das Gesicht gerade angegangen wird, moechest Du Dich am liebsten verstecken. Von niemandem gesehen werden.
Du fuehlst Dich haesslich. Aussaetzig.
Es ist schlimm. Und Dir gehts dreckig.
Du hast Angst davor, nicht in die Herberge zu kommen.
Du fuehlst Dich beobachtet.
Doch Du musst da durch.

Mit Sprays, mit Salben, mit neuer Kleidung, mit mehreren Waschmaschinendurchlaeufen.

Du musst da durch.

Samstag, 25. August 2012

125. Pilgertag 12: Kopf und Herz kommunizieren

Traeume des Tages:
Sonja K. kuendigt ihren Job. Aysen kuendigt ihren Job - und Tim erkennt mich nicht.

Sonja wacht frueh auf, macht sich fertig, fragt:
"Du. Ich pack jetzt meine Sachen. Und gehe dann." ...
"Kommst Du mit?"


Aehm. Ja?
Ohne die letzten Worte zwar nicht. Aber so .. natuerlich.

Heuten kommen wir nach San Anton.
Mein Pilgerfuehrer erzaehlt darueber:

"Kultige Ruinenherberge: Die einfache, aber doch sehr originell in der Ruine des Klosters San Anton gelegene Unterkunft mit 12 Betten verfuegt immerhin ueber ein wasserdichtes Dach sowie eine Toilette, ein Waschbecken und eine Dusche aus dem fruehen 21. Jahrhundert und fliessend kaltes Wasser. Sie wird meist von engagierten Hospitaleros betreut, die auf Spendenbasis fuer ihre wenigen Schuetzlinge kochen."

"Kloster San Anton: Das Kloster geht auf das 12. Jh. zurueck, wenn auch die heutigen Reste aus dem 14. Jh stammen. Es gehoerte zum Orden von San Anton, der es sich zur Aufgabe machte, die Pilger zu heilen, die an Lepra litten."

Interessante Location. Wurde uns schon empfohlen.
Aber nur 6km heute zu laufen ist zu wenig.
Wir gehen weiter.

Auch die naechste Pilgerherberge ist noch nichts fuer uns, wenn auch lustig bestimmt:

"Nach altem Pilgerbrauch wird den Pilgern vor dem Abendessen ein Fuss gewaschen. Nirgendwo sonst auf dem Jakobsweg wird dieser Brauch noch praktikziert. Kein Strom, aber gute Sanitaeranlagen."

Und dann gehts weiter:

"Die Landschaft ist nun flach und wohltuend karg, sie nennt sich Tierre de Campos, eine der charakteristischen Landschaften des Jakobswege. Dieses Land eignet sich zwar hervorragend fuer den Getreideanbau, ist aber heutzutage in einer Zeit der Dauerkrise der Landwirtschaft verarmt."

124. Lost Chapter II

Irgendwie haut die zeitliche Reihenfolge nicht hin hier im Blog.
Kommt davon. Selbst schuld.

Wenn Euch etwas unlogisch vorkommt: Das muss so sein.
Eigentlich muss hier wohl Kapitel 111 erst rein.

Hab ich wohl was durcheinander gebracht.
Vielleicht korrigier ich das irgendwann.
Heute .. und morgen aber nicht.

Freitag, 24. August 2012

123. Sie verschlaeft den ganzen Tag

Duschen. Schlafen.
Vorher noch ein Gespraech.
Und dann schlaeft sie.
16 Uhr nachmittags bis 7 Uhr frueh.
Ja, sie hat wohl Nachholbedarf.

Ich higegen lass mir den Kopf wegblasten von meinem MP3-Player,
spaziere barfuessig ueber, durch und auf die oertliche Burgruine, erkunde den Ort und liege auf der Bruecke herum.

Ein Tag, an dem nicht viel passiert.
Energie tanken.
Fuer morgen.

121. An Tagen wie diesen


Absolute Wahnsinnsshow
Im Fernsehn und im Radio
Die Sonne lacht so schadenfroh
An Tagen wie diesen
Niemand der mir sagt, wieso
Beim Frühstück oder Abendbrot
Die Fragen bohrn so gnadenlos
An Tagen wie diesen


122. Handtuch aufs Bett. Und es gehoert mir!

Angekommen in unserer potentiellen (dieses Wort benutze ich ziemlich oft!) heutigen Herberge muessen wir erstmal lesen, dass der Hospitalero noch fuer 2 Stunden weg ist. In macnehn Betten liegen schon Leuten, vor dem Haus in der Sonne auch und ueberhaupt.
Woher sollen wir nun wissen, ob ueberhaupt noch Plaetze in der doch nicht zuu grossen Herberge frei sind und wir nicht weiterlaufen muessen?

Nun gut. Sachen auspacken. Auf die Betten damit. Werden wir schon sehen, ob die uns noch rausschmeissen!

2 andere deutsche Maedels aus dem Raum Muenchen treffen wir hier noch, bevor wir dann doch den Aufenthalt in der Herberge ueber Nacht fix machen koennen.

Ich lese noch ein wenig ein Buch, das dort kostenlos ausliegt: Den genauen Titel weiss ich zwar nicht mehr, irgendwas mit "Roter Planet" oder so, der bald kommt und die Erde zerstoert, wars aber. Ich hab das gesamte Buch fuer nen zynischen Witz gehalten. Aehnlich wie die Religion vom Spaghettimonster. Hab zwar absolout nix gegen Religionsfreiheit, aber irgendwann hoerts einfach auf.

Verehrt doch eure heiligen Schnuersenkel, mir egal.
Aber bitte hinter verschlossenen Tueren.
Und schreibt erst recht keine Buecher drueber!!

120. Der Tag, an dem die Erde still stand

Ein paar Kilometer sind wir dann mit David gelaufen, inklusiven interessanten, spannenden, aber auch skurillen Gespraechen.

Filmtipp des Tages: Keanu Reeves in: "Der Tag, an dem die Erde still stand"
Entdeckung des Tages: Keiner von uns lebt nachhaltig
Wissenschaft des Tages: Weltraumforschung. Als Notfallplan.
Skurillitaet des Tages: Wenn man nicht an Blasen am Fuss glaubt, kriegt man auch keine.


119. Erste Klasse

Gluecklicherweise ist dann aber insgesamt alles gut ausgegangen. Irgendwie hat sich herausgestellt, dass die zum Baby gehoerende Mutter im Zug sei - problematischerweise aber in einem anderen Teil des Zuges, der mangels Durchgaengen nicht erreichbar ist.

Folge: Notstop!

Als die Mutter dann ihr immer noch schlafendes Baby (dieses hatte vom ganzen Trouble gar nichts mitbekommen) wieder in den Armen hielt, war sie natuerlich die gluecklichste Mutter der Welt in diesem Moment.

Und David und die Kanadierin duerften daraufhin kostenlos in der ersten Klasse mitfahren, wurden als Retter gefeiert und wie Ehrengaeste behandelt.

Ende gut. Alles gut.
Nur was aus dem Vater wurde .. ist nicht uebermittelt.

118. Europa ...

Nachgeprüft hab ich das hier nicht. Aber falls die Sätze wirklich so gefallen sind, muss man sich schon Gedanken machen. Irgendwie.

117. David aus Oesterreich

Eine Bekanntschaft des heutigen Tages ist David.
Und er hat eine spannende Geschichte zu erzaehlen:

Nach Spanien ist er mit der Bahn gekommen. Interrailticket, also das Ticket, mit dem nan 1 Monat durch ganz Europa fahren kann, wie man will.
Nach Paris ist er von Wien aus muehelos gekommen. Dort sagten sie ihm aber, dass man mit diesem Ticket nicht alle Zuege nutzen duerfe. Und der naechste Zug Richtung SJPdP (Jakobsweg-Start) erst in 7 Tagen faehrt. Gluecklicherweise hat er dort ne Kanadierin (...) getroffen, die in der gleichen Situation war und auch dorthin wollte.
Nachdem Diskutieren nichts brachte, beschlossen sie, einfach in einen Zug zu stiegen und auf unwissend zu plaedieren. Im Zug unterhalten sie sich noch mit einem Vater, der scheinbar allein mit Baby unterwegs ist. Als er kurz rauchen will und vor die Tuer geht, halten sie das Baby selbstverstaendlich kurz.

Doch das Unfassbare passiert:
Die Tuer schliesst sich.

Und sie schaffen es nicht, weder von Aussen noch von Innen, sie wieder zu oeffnen.
Der Zug faehrt ab.
Tja. Und da standen sie nun. Mit einem Baby in ihrem Arm und potentiell kurz davor, aus dem Zug geworfen zu werden.

116. Selbstmanagement

Lehre: Jeder von uns hat Tiefpunkte.
Manche taeglich, manche woechentlich, andere unregelmaessig.
Das ist nicht schlimm.

Wir sind Menschen. Fuehlen. Werden beeinflusst. Haben mal mehr, mal weniger Energie. Und Nerven.
Es ist also ganz natuerlich, dass wir auch mal durchhaengen.

Wichtig ist, selbst damit klar zu kommen.
Selbst zu erkennnen: Es geht Dir gerade nicht gut. Aendere etwas!
Selbst zu erkennen, dass man gerade aus Wut, Trotz, Opportunismus, Verzweiflung handelt.
Subjektiv, vielleicht sogar destruuktiv handelt.
Und dann, wenn man sich dessen bewusst wird - und will - gegenlenken kann.

Selbstmanagement heisst, sich zu kennen.
Und die Verantwortung fuer sich zu uebernehmen.

115. A legal Alien

6 Uhr irgendwas.
Wie immer: Aufstehen.

Soundtrack, der heute im Ohr liegt:



Kurze Anekdoten zum Tag:
- Bewegungsmelder, die man alle 3 Sekunden wieder aktivieren muss, nerven
- Kann mir niemand erzaehlen, dass um 7 Uhr frueh zufaellig laute Musik in der ganzen Herberge gespielt wurde. Das war ein Rausschmeissersong!
- Ich glaube, ich seh duenner aus. Wenig essen, viel Sport, viel Trinken. Gewichtsverlust.
- Meine Fuesse tun weh. Beide. Beim rechten Fuss kann ich zudem in den letzten Tagen meine Zehen nicht mehr bewegen. Irgendwas blockiert.
- Gut, dass es in den naechsten Tagen weniger bergauf und bergab geht. Es geht in die Meseta:

"Ab hier beginnt die Meseta, eine Hochebene, die kaum von Baeumen bewachsen ist. Meseta geht dabei auf das spanische Wort mesa zurueck, was so viel heisst wie Tisch, Platte oder Ebene."

Die spanische Wueste also.
Auf Dich .. freu ich mich.

Donnerstag, 23. August 2012

114. Zwischenstand Nr. 2

19.07: Saint-Jean-Pied-de-Port -> Bizkaretta: 37,7km
20.07: Bizkaretta -> Pamplona: 31,5km
21.07: Pamplona -> Puente la Reina: 34,5km
22.07: Puente la Reina -> Estella: 22,2km

23.07: Estella -> Los Arcos: 22,4km
24.07: Los Arcos -> Logrono: 29km
25.07: Logrono -> Najera: 29,5km
26.07: Najera -> Redecilla: 34km
27.07: Redecilla -> Villafranca: 24,7km
28.07: Villafranca -> Burgos: 39,6km

113. Unterhaltung und Soundtrack

Kitty Kat - Bist Du gluecklich?

Curse - Hassliebe (in schlechter Live-Qualität)

112. Pilgertag 10: Andi und die Hassliebe

6.15 Uhr bis 19.15 Uhr laufen wir.
Sonja kaempft. Ich kaempfe.
Wir machen lange Pausen.
Die Sonne ist auf unserer Seite.
Sonja und ich laufen zusammen weiter.
Haette ich falsch eingeschaetzt.

Nach dem Cuba Libre gestern ist die Entscheidung gefallen, dass ich nicht schon mal voraus gehe - sondern weiter mit Sonja gehe. Erstmal in der Herberge bei ihr blbeibe. Unabhaengig von ihrer Freundin.

Am Morgen eintoenig, dafuer in meinen Gedanken bei nem neuen Slamtext, spaeter, in vielen Pausen und an einem langen Tag, wieder normalisiert.
Und die Tschechen und Hamburguesas mit ultrafettem Schinken und Ei drauf haben auch nicht die Macht, die Stimmung laenger als ein paar Minuten zu druecken.

Kurz vor Burgos bekommt Sonja dann einen Anruf.
Ihre Freundin ... kommt nicht.

111. Lost Chapter II: Gespraechsnotizen.

...
Siehe Tagebuch.
...

110. Lost Chapter: Pilgertag 9 - Cuba Libre

Tja, was soll ich sagen?
Entweder es gibt keine Aufzeichungen, diese sind zu chaotisch oder sie sind verschwunden.
Keine Ahnung, was an Pilgertag Nr. 9 passiert ist.

Na gut.
Vermutlich waren ein Cuba Libre zur Mittagshitze, ausgegeben von Sonja zum Abschied, Entscheidungen, ein epileptischer Anfall von einem sehr alten Pilger und Bettwanzen im Spiel.
Und Cracker.

Aber mehr .. weiss ich fast nicht.

109. Erwaehnenswertes aus dem Pilgerfuehrer

Einige kleine Dinge.

Auf dem Weg nach Villamayor:

"Verwechseln Sie die Herberge nicht mit dem ebenfalls nicht weit von hier befindlichen Club Siroco. Auch hier gibt es Betten, in denen Sie aber wohl kaum eine ganze Nacht verbringen koennen. Die besonders hilfreichen "Hospitaleras" werden naemdlich fuer ihre Dienstleistungen kaum einen Pilgerrabatt anbieten und sich auch nur sehr selten mit einer freiwilligen Spende zufrieden geben. (Es handelt sich hier um ein Bordell!)"

In Atapuerca:

"Atapuerca ist weltberuehmt als Heimat der ersten Europaer, denn in Hoehlen der Huegellandschaft 4km suedlich des Dorfes wurden 800.000 Jahre alte menschliche Reste gefunden. Zu diesen Hoehlen koennen Sie von Atapuerca aus Ausfluege unternehmen. Einige anschauliche Informationen koennen Sie aber auch schon hier erhalten. Auch das Museum von Burogs verfuegt ueber viele Ausstellungsstuecke."

In Burgos:

"Eng mit der Stadt Burgos verbunden ist der kastilische Nationalheld El Cid. Er hiess mit buergerlichen Namen Rodrigo Diaz, wurde im Jahr 1026 in Vivar, 9km von Burgos entfernt, starb 1099 und ist in Burgos begraben. Er war ein Feldherr des kastilischen Koenigs Sancho dem Zweiten. Nach dessen Tod fiel er beim neuen Koenig Alfonso dem Sechsten in Ungnade und trat zeitweilig in den Dienst des maurischen Koenigs von Zaragoza. Im Jahr 1094 eroberte er jedoch fuer den kastilischen Koenig die Stadt Valencia, die nach seinem Tod wieder in die Haende der Mauren fiel. El Cid ist der Prototyp des kastilischen Ehrenmannes und als solcher unsterblich in die spanische und auch internationale Literatur (Corneille) eingetragen."

Nach Burgos:

"Nordspanien ist ein Vogelparadies. Eine besondere Ueberraschung ist das enorm haeufige Auftreten von Stoerchen, aber auch andere in Deutschland seltene Voegel werden Sie mit Sicherheit sehen, so z.b. Bienenfresser und Wiedehopfe."


108. Wofuer man lebt

2 Texte / Lieder, die mir in den letzten Tagen durchs Hirn geistern:



107. Pilgertag 8: Mal sind wir Helden und mal Diebe

Anekdoten des heutigen Tags:

- Mit Wasser ueberschuetten macht Sinn!
- Regen und Gewitter tagsueber, waehrend man uneterwegs ist, hat was!
- Kurz sind wir heute mit Lisa unterwegs. Ein Maedel aus Heidelberg (Gruesse an Torch werden ausgerichtet, hat sie gesagt), hatte Probleme mit den Schuhen, sich deswegen jetzt in der letzten Stadt Chucks (musste erst nachfragen, wie dieses Wort geschrieben wird) gekauft. Und sie schlaeft in der Mittagshitze gernde unter irgendwelchen Baeumen ein.
- Sonja informiert mich, dass sie in Burgos, das wir bald erreichen, ne Freundin anrufen wird, die dann vielleicht nach Spanien kommt und mit ihr weiter laeuft. Ich denke mir, dass ich dann bestimmt das fuenfte Rad am Wagen sein wuerde. Und dann waere es Zeit, sich hier auf dem Weg zu trennen.

Mittwoch, 22. August 2012

106. Die Legende von Salto Domingo de la Calzada

"Ein Ehepaar war mit seinem Sohn auf Pilgerfahrt nach Santiago und uebernachtete in einem Wirtshaus in Santo Domingo. Die Wirtstochter verliebte sich in den Sohn, aber der wollte nichts von ihr wissen und zog am naechsten Tag mit seinen Eltern weiter.
Das beleidigte Maedchen hatte aber einen silbernen Becher in das Gepaeck des Jungens gesteckt und zeigte ihn des Diebstahls an. Der Becher wurde entdeckt und der Junge zum Tod durch Erhaengen verurteilt.
Als die Eltern nach Vollstreckung der Todesstrafe noch einmal zu dem Baum gingen, an dem ihr Sohn hing, stellen wir ueberrascht feste, dass der Junge lebend am Galgen hing, denn Santo Domingo stuetzte ihn an den Beinen.
Das Ehepaar begab sich also zum Richter, um ihm von dem Winter zu berichten, das ja die Unschuld ihres Sohnes bewies.
Der Richter sass gerade am Mittagstisch und sagte, dass der Junge so lebendig sei wie die zwei Huehnchen, die er gerade verspeisen wollte.
Daraufhin flogen die beiden Tiere davon.
Seitdem werden in der Kathedrale von Santo Domingo in einem Kaefig ein weisser Hahn und weisse Hennen gehalten, die woechentlich ausgewechselt werden.
Dies ist die bekannteste Legende des Jakobsweges und in vielen Laendern findet man in Kirchen Darstellungen dazu."

105. Der fliegende Hollaender

Vermutlich wissen nicht viele, was ich meine, wenn ich sage, dass ich heute zum ersten Mal diess Jahr so etwas wie einen "Runners High" verspuert habe.
Wer nicht weiss, was das ist, soll es sich gerne von Jonathan Baumgaertner erklaren lassen.

Definitiv weit entfernt vom Runners High ist der Hollaender, dem wir heute begegnen. Fragt nach Aspirin oder anderen Schmerzmitteln.
Manchmal frag ich mich, wie verrueckt man sein muss.
Hat 600km vor sich und fragt nach Schmerzmitteln.
Merkt er nicht, dass gerade tewwas einfach falsch laeuft mit und/oder bei ihm?

Will er sich jetzt jeden Tag fitspritzen oder mit Drogen pushen anstatt mal nen Tag Pause zu machen und seinen Koerper halbwegs wieder fit und gesund zu kriegen?

Wer mit sich selbst so schlecht umgeht - mit wem oder was auf der Welt soll dieser Mensch dann gut, vernuenftig oder verantwortungsbewusst umgehen?

104. Ein Mufflon und viele Geheimnisse

7 Uhr gehts los.
Sonja ist ein Morgenmuffel.
Jeden Tag ist sie 30 Minuten frueher als ich aus dem Bett raus.
Aber wird 3 Stunden spaeter wach als ich.
Aber ich finde Gefallen daran, sowohl einfach mal ne Stunde nebeneinander zu laufen und nichts zu sprechen, als auch ein wenig fuer die Stimmung verantwortlich zu sein.

Wir erzaehlen uns heute Geheimnisse aus unserem Leben.
Vielleicht auch ueber Dich.

103. Mein Name ist Donato - also merkt ihn Euch einfach!

Stimmungspraegend: Donato

2011: Halt mich fest
2012: Winterschlaf
Und das folgende Video existiert erst seit ein paar Tagen. Ich habs noch nicht gehoert, kann es hier nicht hoeren. Wie findet Ihrs? Auf jeden Fall bin ich neidisch, dass Ihr es potentiell vor mir hoeren und sehen koennt. 2012:


102. Najera? Da bin ich Najer a!

Angekommen in Najera gibts neben ner eiskalten Dusche, kostenloser Gulaschsuppe mit Rindfleischknochen und viel Baguette nen Nachmittagsschlaf, bevor am Abend dann ein wunderbares Gewitter los legt und alle traditionellen Taenze und Festlichkeiten beendet.

Macht nichts.
Ich hol mir ein Bierchen,
teile meinen MP3-Player mit Sonja und schau mal, was meine Musikauswahl so hergibt.

Rien Ne Va Plus - Yes, Yes, Nichts geht mehr!

101. Der verlorene Sohn

In den letzten Tagen, als wir nur noch zu zweit unterwegs waren, haben wir oft an Alex gedacht oder ueber ihn geredet. Per Facebook haben wir nun Kontakt. Es hoert sich so an, aos ob es fuer ihn nicht weitergehen wird.

Eine schwierige Entscheidung, die er da treffen muss.

Ich kann mich ja selbst an die skeptischen Blicke, Menschen und Reaktionen bei mir erinnern, als irgendwer erfahren hat, dass ich den Jakobsweg laufe. An die verstaendnislosen Augen. An die unausgesprochenen Fragen, ob man nichts Besseres zu tun haette, nicht Geld verdienen muesse (runtergebrochene Aussage) oder sich auf andere Dinge konzentrieren solle.
Und dass es nicht leicht war, diesem Druck, gesellschaftlichem Druck, stand zu halten.
Diesem Gegenwind stand zu halten.

Sie meinen es doch nur gut - und wisse nicht, wie falsch sie liegen.
Und wenn man dann erstmal in Spanien ist, vor der Entscheidung zu stehen, ob man die Sache abgricht, wuerde mir das alles wieder einfallen. Die Kritiker. Die Hater. Die Verstaendnislosen. Diejenigen, die niemals Unrecht haben. Und es immer nur gut meinen.

Doch auf der anderen Seite der Waagschale steht die eigene Gesundheit.

Ich weiss nicht, wie ich entschieden haette.

Egal, welche Entscheidung Du triffst, Alex - sie wird mutig sein.

Dienstag, 21. August 2012

100. Das hier ist mein hundertster Song

Dieser Post ist Dresta gewidmet.
100.

99. Begegnungen

Ja, der Jakobsweg ist schon merkwuerdig.
Man startet allein.
Und trifft auf Menschen, mit denen man ein paar Blicke, ein Gespraech, eine Pause, einen Abend oder ein wenig mehr teilt.
Und ploetzlich sind diese Menschen einfach nicht mehr wegzudenken.
Aus der eigenen Erinnerung, teilweise aus der Gegenwart.

Es geht um Begegnung.
Und es geht um Bewegung.
Nosliw hat es gut formuliert:



Dafuer lieb ich Dich, Jakobsweg.
Fuer diese Gefuehle und Erfahrungen.

98. Wenn Du lachst

Wenn Du lachst.
Ists mir egal ... was da noch kommt.




97. Ungleichung

Und da steht sie ploetzlich.
Und fragt, wo ich gewesen bin.
Auch zusammen finden wir keine Loesung.
Doch ist sie ist langsamer als ich.
Muss also vor mir gestartet sein.
Alles andere .. koennen wir nicht aufloesen.

Mit Julia ist sie unterwegs. Hat ihr von mir erzaehlt. Dass sie mich sucht.
Ein wenig laufen wir zu Dritt. Dann laesst sich Julia abhaengen. Vermutlich bewusst.
Und wir reden.

Doch die Laune wird heute wohl nicht mehr gut werden.
Und die Motivation nicht mehr hoch schnellen.

Ankunft beim Ziel: 14.30 Uhr.

96. Already Zombies

Ohne Handy in Spanien. Es fühlt sich schon nicht ganz normal an. Aber:

95. Man lebt nur einmal

Na gut. Alleine los. Life goes on. Irgendwie.
MP3-Player in die Ohren. Die Toten Hosen. Motivation.
Man lebt nur einmal, ooohooohoo.

Trotzdem bleibt da eine Traurigkeit.
Ich frage mich, ob ich mich gestenr in der Kirche bzw. der kirchlichen Herberge zu komisch, eigen, anders benommen habe. Was sie darueber gedacht hat. Ob es fuer ihre (sicherlich religioser inspierierten) Gefuehle verletzend war?
Ich frag mich, ob ich ihr das Gefuehl gegeben hab, dadss sie nicht mit mir ueber so etwas reden koennte.

Ob sie gefluechtet ist. Flucht als Hilferuf.

Weil ich etwas uebersehen habe. Menschenkenntnis fuern Arsch.
Und was, wenn ich sie verletzt hab?
Wenn ich, ohne es zu wissen, hier auf dem Jakobsweg, verletzt hab?
Einen wohl sehr sensiblen Menschen.

Und wenn ja: Was in aller Welt gibt mir das Recht, dann hier noch weiter zu laufen?

Es fuehlt sich nicht mehr richtig an, weiter zu laufen.

Montag, 20. August 2012

94. Irgendwo da draussen

Mein Gehirn rattert.
Es gibt viele Moeglichkeiten.

Die einfachste Erklaerung: Sie hat mich nicht mehr gesehen (vielleicht, als ich im Bad war) - und ist los, um mich einzuholen. Aber .. ich war nur kurz im Bad!
Oder .. es ist irgendetwas passiert. Aber .. was kann passiert sein?
Oder .. sie wollte allein weiter, fand aber nicht die richtigen Worte, mir das zu sagen. Aber .. wir haben doch keinerlei Pflichten uns gegenueber. Wenn sie gehen will, reicht nur 1 Wort. Wenn ich gehen will, geh ich auch.

Ich merke, dass ich alle Gedanken drehen. Ich allein kann auf diese Fragen keine Antwort finden.
Die Antworten .. sind irgendwo da draussen.

93. Fragezeichen zum Fruehstueck

"Guten Morgen" sagt sie. Und geht zum Fruehstueck. Ich nicht. Ich schlafe ein paar Minuten laenger. Spende der Kirche etwas, will ihr ja nichts schuldig bleiben.
Sonja hat heute zum ersten Mal ihre Sachen komplett gepackt, bevor sie zum Zaehne putzen und Fruehstueck gegangen ist.

Und nun .. nachdem ich auch fertig bin, gepackt hab .. mich sogar 10 Minuten gedehnt hab (das sollte man zwar jeden Tag machen vorm Laufen, aber meist geschieht es schon eher alibimaessig) ... und mal in dem Fruehstuecksraum geschaut hab, ist sie gar nicht da. Ihr Rucksack auch nicht.

Entweder sie ist in der Kirche. Oder schon aufgebrochen.
Aber .. wieso?
Und ploetzlich merke ich, dass ich mich an sie gewoehnt habe.

92. Gestern und die Zukunft

Daran kann man nichts ändern, das war alles gestern,
aber du hast jetzt die Chance unsere Zukunft zu verbessern.


91. Die Perspektive


Spuert Ihr sie auch manchmal?

Diese .. Grundtraurigkeit?

90. Die Nacht in der Kirche

Spaeter heisst es, dass es nun den Stempel gibt. Also muss ich hin. Eine kleine Wanderung durchs alte Herbergengemaeuer folgt. Treppen rauf, Treppen runter. Es ist kuehl.
Und ploetzlich .. stehen wir alle in der Kirche.

Ein mieser Trick!
Aber jetzt gibt es kein Zurueck mehr. Wir sitzen im Kreis, in der Mitte der Altar.
In allen Sprachen wird nacheinander, miteinander gebetet.
Will die Kirche durch das Gleischalten und Simultanisieren der Gebete und Gesaenge Gemeinschaftsgefuehle erstellen?

Bei mir klappts nicht.
Doch ich spiel das Spiel ein wenig mit.
Solang ich jetzt keine Zeitschrift abonnieren muss, ists ja akzeptabel.

Und meinen Stempel .. bekomm ich auch.

89. Die erste kirchliche Herberge

Heute schlafen wir das erste Mal in einer kirchlichen Herberge.

"Es wird gemeinsam gekochtet, gebetet und gegessen."
Sonja will das. Un dich ... komm damit schon klar. Wir entscheiden uns fuer die Matratzen anstatt Betten.
Wegen der Abwecchslung. Kommen dort zwar nicht gerade frueh an, dennoch ist unser Raum bis dahin noch leer. Das sollte sich bald aendern.

Sonja ist dann erstmal beim Gebet, kurz beim Mittelalterkonzert, spaeter beim gemeinsamen Essen. Ich nicht. Ich schreibe. Und beobachte.

Und sie berichtet mir im Nachhinein. Vom Gottesdienst. Von einer Kirche, die nur aus Gold zu bestehen scheint. Von leckerem Essen.

Doch sie sagt: "Ich glaube trotzdem: Jesus hat das anders gemeint!"

88. Der Raimund erzaehlt

Informationen aus meinem Pilgerfuehrer zum heutigen Tag:

"Sollten Sie den Eindruck haben, eine besonders schlechte Kondition zu haben, so irren Sie sich wahrscheinlich, denn das folgende Stueck hat es einfach in sich: Der steinige Untergrund und das staendige Auf und Ab bis kurz vor Viana ist einfach zermuerbend, da Sie staendig Gangart und Tempo aendern muessen."

Auf dem Weg nach Logrono:

"Nach nochmals 2,6km, der Jakobsweg fuerht bergab auf einer schmalen Teerpiste, wartet Maria unter einem Feigenbaum mit Stempel und Getraenken (1 Euro) auf Sie. Sie ist die Tochter von Dona Felisa, die hier jahrelang ihren Dienst tat und nach ihrem Tod ihrer Tochter diese Aufgabe vererbte."

Nach dem Einzug in die spanische Region "La Rioja":

"Schon im Mittelalter wurde Wein angebaut und im 16. Jh. in viele Laender exportiert, aber der ganz grosse Aufschwung zu internationaler Bedeutung kam erst im 19. Jh. Heute meint man, der Wein sei die einzige Charakteristik und Daseinsberichtigung dieser Region."
PS: Der LvG war ein grosser Fan von Wein aus dieser Gegend! Wer weiss, wer LvG ist? ;)

Vorbei an der Burg von Clavijo:

"Im Jahr 844 kam es hier nach der Legende zu einer Schlacht ziwschen den Truppen des Koenigs Ramiro von Asturien und den Mauren, die dieses Gebiet zu der Zeit beherrschten. Die Christen waren im Begriff, die Schlacht zu verlieren, als ein Reiter auf einem weissen Pferd erschien. Er toetete zahlreiche Mauren und fuehrte das "christliche Heer" zum unerwarteten Sieg. Es handelte sich der Legende nach um den Apostel Santiago, dessen Grab erst wenige Jahre vorher in Compostela entdeckt worden war. Seitdem war Santiago als Maurentoeter der Schutzheilige der Wiedereroberung des von den Mauren beherrschten Spaniens. Die Darstellung und Verehrung des Maurentoeters in Kirchen ist natuerlich aus heutiger Sicht fuer ein friedliches Miteinander der Religionen wenig hilfreich und auch nicht mit einem aufgeklaerten christlichen Weltbild vereinbar."

87. Das ist, was ein Mann so braucht

Eines DER Lieder des Weges:

Matthias Reim - Verdammt, ich lieb Dich


Aber auch, vor ein paar Tagen als Melodie in mein Ohr gekommen: Flucht der Karibik - der Soundtrack

86. Die letzten werden die Ersten sein

Interessant noch: Die allerletzten, die gestern ins Bett sind, naemlich Martin und Olivier - waren heute trotzdem die ersten, die wach waren. Respekt!

(Nachtrag: Spaeter hab ich erfahren, dass sie ihren Trip abbrechen mussten. Warum, weiss ich heute noch nicht. Verpokert. -Respekt!)

29km liegen vor uns laut Plan.

Wir vertreiben uns die Zeit heute musikalisch. Singen und Slammen (Letzteres nur ich) abwechselnd. Von Matthias Reim bis Maedchen aus Rottweil, von den Helden bis Dresta, von Curse bis Wolfgang Petry.

Rock n Roll.

PS: Vorhaben: Wir erstellen uns gegenseitig irgendwann nen Camino-Soundtrack!

85. Pilgertag 6: Ich erinner mich .. noch an den Tag .. an dem wir mal mit unserm ..

5.30 Uhr. Ich erwache. Laerm.
Nein, der Spanier ists nicht.
Der schnarcht nur.
Ein paar Leute machen sich auf den Weg.
Geh ich halt mal auf die Toilette.

Und dann?
Wieder ins Bett legen?
Ne. Ich haette Lust, los zu laufen.
Mal Sonja wecken, die im Bett ueber mir geschlafen hat.
Sie waere dabei.

Ok, los gehts.
6 Uhr freuh, es ist dunkel.
Wir laufen los.

Tag, Du kannst kommen!

Sonntag, 19. August 2012

84. Pilgertag 5: Die Heimat spukt im Traum herum

Ein Tag, zu dem ich nicht viel notiert habe. Ist nicht viel passiert? Weiss nicht.

Nur 3 Traeume und ein paar Kleinigkeiten existieren:

Traum 1: Sonja und ich laufen. Ploetzlich hoer ich nen Schrei von hinten. Jenny, ne Freundin, die noch mit dem Gedanken gespielt hat, mit nach Spanien zu kommen (wie so viele), schreit  meinen Spitznamen. Sie ist da! Und hat mich gefunden! Crazy Shit.
Doch sie schreit auch, dass ich weiter gehen solle. Sie will mich nicht bremsen. Nkay. Sonja und ich entscheiden, einfach ein wenig langsamer zu laufen, damit Jenny aufholen kann. Doch Jenny kommt nicht... Und dann gehen wir doch ein paar Meter zurueck. Und finden Jenny .. Pause machend. Sie ist UNSEREN Nudelsalat vom Vortag!

Traum 2: Ich muss ins Krankenhaus. Die Krankenschwester (und hier stelle ich fest, dass ich einige Bekannte hab, die Krankenschwestern sind - und von allen laufen spanische Doppelgaengerinnen durchs Zimmer - und erkennen mich nicht) ist sehr besorgt. Meint aber, dass ich ueberlerben wuerde. Problem: Mein Fuss tut mir zwar ein bisschen weh, ich versteh das Trara aber darum nicht. Doch das Krankenhaus verlassen .. darf ich nicht.

Traum 3: Ich bin Superheld. Fliege durch die Strassen. Da: Eine Moeglichkeit, mich aufzuladen! Doch als ich naeher herankomme, stroehmt gruener Rauch auf: Verrat! Das ist eine Falle!

Nach dem Trip heute gibts den Nudelsalat von geestern (der noch da ist!), das Ausprobieren der "Original flaemischen Waescheschleuder", ne matschige Pizza, gute vegetarische Tortellinis und ein Erlebnis der unvergesslichen Art:

Nachts, vielleicht 23 Uhr. Der Grossteil in der Herberge schlaeft schon. Wir sind gerade zu Bett gegangen. Da stolpert jemand ins Zimmer. Ein Spanier, leicht daran zu erkennen, dass er, wohl mindestens schwer betrunken oder einfach naturhigh, stolpernd mit sich selbst spricht.
Er stoesst ein paar stolze Kampfschreie aus: "Espania! Espania! Espania!" Fehlt nur noch, dass er sich dabei auf die Brust trommelt.
Und dann hat er ne Idee: Claudia!
Claudia! Claudia? Claudia?
Erst leise, dann, aufgrund der fehlenden Reaktion, immer lauter werdend, ruft er es durchs Zimmer. Alle wachen Personen sind gespannt, was kommt. Alle gerade erwachenden Personen haben nicht solch positive Gefuehle. Die ersten Stimmen werden laut: PSSSSSSSCHT!
Doch der Spanier laesst sich nicht beirren. Er will Kontakt zu seiner Claudia!
Claudia??? Claudiaaaaaaaa? Claaauuuudia?
Er kommt wieder aus seinem Bett. Stolpert durch die Reihen. Wo liegt sie, diese Claudia? Da, er hat sie. Doch dann steht gegenueber jemand auf. Ne Spanierin. Es wird interessant. Sie scheisst ihn zusammen (zumindest interpretiere ich das so)
Er verzieht sich ins Bett.
"Espania! :(" .. Gebrochener Stolz?

Ich erwarte, dass es das jetzt war.
Und liege wach, ein wenig grinsend.

Vor dem Haus werden Stimmen lauter. Die Dorfjugend positioniert sich. Nicht unbedingt vor der Herberge - gegenueber ist allerdings ein "Kulturzentrum". Und sie haben Spass. Ist ja auch Wochenende. Mich stoerts nicht.

Doch ploetzlich ... springt  der Spanier auf! Das kann er so nicht stehen lassen! Denen wird er zeigen, wo der Hammer haengt.
Also .. raus auf die Strasse. Aufraeumen!

(PS: Eine grossartige Nacht!)

83. Ich denke nicht, dass irgendjemand .. .

I don't believe that anybody
Feels the way I do about you now

And all the roads we have to walk are winding
And all the lights that lead us there are blinding
There are many things that I
Would like to say to you but I don't know how

Because maybe, you're gonna be the one that saves me
And after all, you're my wonderwall

82. Zwischenanalyse Nr. 1

19.07: Saint-Jean-Pied-de-Port -> Bizkaretta: 37,7km
20.07: Bizkaretta -> Pamplona: 31,5km
21.07: Pamplona -> Puente la Reina: 34,5km
22.07: Puente la Reina -> Estella: 22,2km

Mal schauen, wie sich das noch entwickelt.
Vielleicht vergleich ichs irgendwann auch mal mit den Zahlen aus dem letzten Jahr.

81. Ankunft in Estella

Das heutige Ziel: Estella la Bella, zumindest wird Estella so genannt.
Estella die Schoene also. Lassen wir uns ueberraschen!

Wieder kurz:
- Wir treffen Alex wieder! Der Plan hat geklappt. Unfassbar!
- Aber: Sein Fuss ist eine einzige Blase. Die Hospitaleros (sozusagen diejenigen, die meist ehrenamtlich die Herberge fuehren und den Pilgern alles erklaeren und helfen) versorgen und bringen ihn ins Krankenhaus und zum Doktor. Laufen kann er morgen aber sicher nicht.
- Ich gewinne die Wette zwischen Sonja und mir, dass auch Alex glaubt, dass Sonja mit ihrer alternativen Art (auch, sich zu kleiden) definitiv als Kifferin durchgehen wuerde!
- Einsatz bzw. Gewinn: Ne Hand- oder Fussmassage. Da meine Fuesse wirklich belastet sind - und andrerseits noch akzeptabel ausschauen, nehm ich den Wetteinsatz gerne an. Wunderbare Entspannung!

80. Und am Ende der Strasse ist ein Haus in Sicht

Meine Kreativitaet wird heute echt gekitztelt!

Kurze Notizen:
- Ich esse zu schnell
- Die spanische Sprache hat aus meiner Sicht nen echt aggressiven Touch
- Mein Knie tut weh. Und ich hab Schmerzen im Fuss. Und deswegen ein bisschen Angst. Was, wenn sich da irgendwas entzuendet? Schliesslich muss ich trotzdem taeglich ueber Stock und Stein, bergauf und bergab, gehen und Knie und Fuss weiter belasten!
- "Pilgrim, oh Pilgrim. I gotta tell ya, what I think about you!"
- Alaba verletzt sich. Verdammt! (Ja, Fussballinfos muessen schon sein!)

79. Weißt Du eigentlich?

Weißt Du eigentlich
dass Du bei mir bist?
Egal wo und wann,
ich denk meist an Dich.






(Die eigenen Zeilen sind schon die Besten..)

78. "Du bist cool, Du isst vom Boden!"

Also zu Zweit los!
Dem Strassenkehrer als literarische Figur hinterher, ueber die Strassen der Stadt mit der "Pulse el Boton, pulse, pulse el Boton"-Melodie auf den Lippen kommen wir gut voran.

Und schnell stellt sich herauus, dass sich die Gespraeche in ganz andere Bereiche vordringen als mit Alex. Klar. Sonja ist bissl juenger als ich, hoert guten alten Hip Hop (Freundeskreis, Curse, etc..) (und dazu noch Bands wie 2RaumWohnung, Element of Crime etc), kleidet sich alternativ - und hat noch andere interessante Ecken.

Da gibts fuer mich viel zu fragen. Wir reden ueber unsere "Lieblingsmaerchen" (Die Gaensemagd und die Brautprinzessin), ueber Lieblingsfilme (Die Fetten Jahre sind vorbei, The Avengers, Was nuetzt die Liebe in Gedanken?), ueber Containern und Essen allgemein, ueber perverse Schweine (...), Kiffen.

Und darueber, dass sie nicht daran glaubt, dass es ein Zufall ist, dass wir uns getroffen haben.

77. Pilgertag 4: Entscheidung pro Gesundheit

Guten Morgen, liebe Fuesse!
Auf gehts zu Dritt, oder?

Nach 500 Metern wird das allerdings schon in Frage gestellt.
Alex schleppt sich schon jetzt kaempfend die Strasse entlang.
So macht das keinen Sinn, das waere mehr als nur ne Qual fuer ihn.
Deshalb entscheidet er sich kurzerhand fuer nen Tag Pause.
Sonja & Ich laufen - er faehrt mit Bus, wir treffen uns am Abend wieder.

Meine bisherigen Erfahrungen mit Plaenen lassen mich zwar zweifeln, dass das wirlich zu 100 % klappt - aber die einzige konstruktive Variante ists schon.

Lasst sie uns versuchen.

76. Philosophiegequatsche

Tja. Vor 2 Jahren ist sie also bis Pamplona gegangen.
Jetzt startet sie in Pamplona. Richtung Santiago.
Der Weg will beendet werden.

Wir fragen sie natuerlich gruendlich aus - und auch sonst passts.
Willkommen in unserem kleinen Pilgertrupp!

Wir laufen di eletzten Kilometer des Tages erstmal zusammen, kehren zu Dritt in die Municipal (also die Gemeindeherberge; ist meistens die guenstigste, aber manchmal auch wirklich die einfachste und groesste Uebernachtungsmoeglichkeit) ein, Alex und Sonja kleben sich zusammen fuesse ab und verarzten Blasen (ich hab noch keine, Sonja nur ein paar Anzeichen..), entscheiden, zusammen zu kochen (obwohl .. eigentlich kocht dann Alex allein) und auch so zusammen zu sitzten.

Dazu 2 Flaschen Wein? Hmpf. Sonja trinkt keinen Alkohol. Und isst kein Fleisch. Also .. werdne die Reste der Salamibaguettes nicht geteilt. Und der Wein .. ist zuviel? Nun gut. "Zuviel" ist beim Alkohol immer so ne relative Aussage. Wir schaffens allerdings trotzdem nicht.

Abends, verrueckterweise und vom Alkohol inspiriert, nachdem Alex seine gedamageden (wunderbares Wort!) und sich schlafen gelegt hat, machen wir zwei uns dann noch zu nem Spaziergang durch die Stadt auf.
Auf solche Ideen muss man erstmal kommen! Den ganzen Tag pilgern .. und zur Abwechslung abends nen Spaziergang durch die Stadt!

Die Gespraechsthemen bunt gemischt. Spanien, Spanier, der Trip vor 2 Jahren, der Baustil der Gebaeude und Kirchen, Z.A. .. und natuerlich Gott im Allgemeinen und Speziellen.

Als wir zurueck kommen zur Herberge, werden wir mit einem freundlichen "Na, seid Ihr fertig mit eurem Philosophiegequatsche?" begruesst.
Fertig?
Ja. Fuer heute.

Samstag, 18. August 2012

75. Pure Dramaturgie

74. Eine kurze Geschichte ueber .. Sonja

Nun gut. Da hat Alex wohl ein wenig geschwindelt.
Tatsaechlich laeuft sie eigentlich zum ersten Mal.
Diesen Teil.
Vor 2 Jahren allerdings hat sie das begonnen, was der ein oder andere als "richtigen" Jakobsweg bezeichnet: Vor der eigenen Haustuere zu starten - und los laufen.
Kommend aus der Naehe von Goerlitz, also ziemlich direkt an der polnischen Grenze, hat das bedeutet, dass sie durchs komplette Deutschland, dann durchs komplette Frankreich musste.
Und als sie dann, nach knapp 3 Monaten Pilgerschaft, knapp 2000 und ein paar zerquetschten Kilometern insgesamt und die ersten 70km in Spanien zurueckgelegt hatte, entschied sie sich, die Reise in diese Richtung (vorerst) nicht fort zu setzen.
Ein wenig Zeit hat sie noch in Spanien verbracht. Weiter im Norden.

Der Weg war das Ziel. Und ihr Weg / Ziel war erreicht. Vielleicht waren die Entscheidungen schon gefaellt, die Antworten gefunden.
Oder es waren doch andere Beweggruende, die Reise zu unterbrechen.

73. Pilgertag 3 - Ey Mann ... wo ist mein Pilgerstab?

Ein etwas ereignisloser Tag.
Start in Pamplona.
Vorbei am Pilgerbrunnen (Pilgerfueher erzaehlt: "Der Legende nach wurde hier ein Pilger vom Teufel mit dem Versprechen verfuehrt, ihm Wasser zu geben, wenn der Jakobs und Gott laestere. Der brave Katholik widerstand natuerlich der Versuchung und bekam spaeter vom heiligen Jakobus hoechstpersoenlich Wasser gereicht.")
Vorbei am Windpark (Pilgerfuehrer erzaehlt: "Auf dem Bergruecken, "wo der Weg der Winde mit dem Weg der Sterne zusammen trifft", stehen 40 gigantische Windraeder zur Stromerzeugung.")

Den Umweg ueber Eunate, wo ne besonders schoene Kirche ist, machen wir nicht.
Kurz vor unserem Ziel finden wir dann den Weg nicht mehr.
Links runter? Ist kein Pfeil. Gerade aus? Ist kein Pfeil.

Da stampft aus dem Nichts von hinten ein Maedel heran. Natuerlich geht es gerade aus. Eine Deutsche. Ole. Dann lasst uns geradeaus gehen.

Aber .. Verdammt! Wo ist mein Pilgerstab?
Bei der letzten Bank vergessen. Klasse. Das kommt davon, wenn man Sachen, die einem runter- oder umgefallen sind, nicht sofort wieder aufhebt: Man uebersieht sie spaeter.
Nun ja, dann also zurueck.
Rucksack runter, Alex wartet hier.
Die 1km zum Ortseingang tu ich mir an, teilweise joggend, 1km wieder zurueck.
Und sie stehen beide immer noch da.

Alex stellt mir vor: Sonja. Laeuft den Camino zum achten Mal.

72. Lost Chapter I

Neuerung in diesem Camino-Bericht Nr. II:

Es wird "Lost Chambers", auf deutsch uebersetzt "Verlorene Kapitel" geben.
Das heisst vielleicht manchmal, dass wirklich meine unregelmaessige Protokollierung dazu gefuehrt hat, dass nicht nur die ein oder andere interessante Situation hier im Blog nicht erscheint, weil ichs vercheckt hab, diese zeitnah zu notieren und sie dann vergessen hab (was zu 100 % einige Male passiert ist) - vielleicht aber auch manchmal einfach, dass ich diesen Beitrag nicht schreiben, offenbaren oder nicht in der Onlineversion dieses "Tagebuchs" haben wollte.

Fragt mich, von Angesicht zu Angesicht danach und ich werds Euch sagen.

Lost Chamber Nr. I

71. Was dein .. ist mein

Am Abend sitzen dann Alex und ich noch in der Kueche, Baguette und Salami gibts.
Und dazu Martini (oder wars normaler Wein? Ich weiss nicht mehr) von Martin und Olivier, 2 Franzosen, die an unserem Tisch sassen, wurden wir eingeladen.

Erkenntnis: Es ist schwer, meine Franzoesisch-Kenntnisse zu reaktivieren. Einzelne Woerter versteh ich, aber von diesen auf den Kontext zu schliessen, faellt meist zu schwer.

Francois, Quo Vadis?

Freitag, 17. August 2012

70. Hintergrund und Information: San Fermin

Aus meinem Pilgerfuehrer:

Alljaehrlich vom 6. bis 14. Juli finden in Pamplona die umstrittenen Festlichkeiten zu "(Un-)Ehren" des Patrons von Navarra San Fermin statt, die von Hemingway in aller Welt bekannt gemahct wurden und von denen vor allem die allmorgendlichen Stieflaeufe beruehmt sind.
Die staedtische Pilgerherberge bleibt waehrend der Festtage geschlossen, und auch die Oeffnungszeiten der beiden nahe gelegenen Herbergen verbieten einen abendlichen Besuch Pamplonas. Es ist deshalb zu empfehlen, Pamplona in der Zeit des San-Fermin-Festes am Tage zu durchqueren, die (zweifelhafte) Feststimmung zu erleben und weiterzuziehen. In jedem Fall koennen Sie das Gepaeck fuer ein paar stunden in der Gepaeckaufbewahrung im Busbahnhof lassen."

Auf Deutsch und mit paar Infos von Leuten, die dann doch dort waren:
Obwohl verboten, treiben die Spanier ihre Stiere immer noch durch die Strassen und hacken dabei mit Saebeln auf sie ein, bis sie sie in der Arena dann (...) ganz abstechen. Tradition ist eben Tradition.
"Heroisch" nennen sie es hier, wenn man auf der Strasse einen wuetenden Bullen beruehrt oder trifft. Natuerlich wird diesem vor dem ganzen Treiben noch diverse Muskeln im Nackenbereich durchgeschnitten, damit dieser grosse Teile der Feinmotorik und Koordination verliert. Er soll ja schoen keine Chance haben.

Aus meiner Sicht hat das wenig Heldenhaftes.
Im Gegenteil.

69. "We in Germany call them "Heuschrecken""

Ein interessanter Gespraechsfetzen, den Alex und ich heute aufgefangen haben, als wir an nem Cafe vorbeigegangen sind. Am liebsten haette ich mich dazu gesetzt und zugehoert. Aber ... wir waren gerade so im Flow.

Den heutigen Tag wolllten wir dann doch etwas ruhiger angehen, die Leistung von gestern stecke schon trotzdem noch in den Knochen.
Trotzdem!
Mittagshitze? Juckt doch nicht.
Hupkonzert (eventuell fuer uns, eventuell einfach aus Spass am Hupen) einer vorbeifahrenden Motorradkolonne? Befluegelt!

Hurate sollte heute eigentlich unser Ziel sein.
Aber wir findens nicht.
Dann gehts nach Villa.. - aber auch in kein Bett.
Also doch weiter nach Pamplona. Man goennt sich ja auch sonst Alles.

Ueber die Magdalena-Bruecke (Schoene Gruesse hier an alle Magdalenas, Magdas und Lenas, die ich kenne! :) ), vorbei an der Herberge der Pilgerfreunde Paderborns, durch das Portal der Franken (Portal de Francia), drin sind wir, in Pamplona.

Und nun?

68. Es ist nicht deine Schuld ...

Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt.


67. Pilgertag 2: "Da hats an zambastelt"

Mein Traum auf Heute: Ich treffe ne ehemalige Schulkameradin aus der Realschule Schesslitz wieder. Und trage sie heim. (...)

Die stillen, ruhigen Minuten heute werden (auch auf Beitrag Nr. 50 bezogen) hauptsaechlich gepraegt von den Themen Optimismus, Pessimismus und Realismus.

Und wieder fehlen mir die Worte fuer dieses Thema - wenn auch nicht die Gedanken ... aber ...

Immer wieder ertappe ich mich weiterhin, dass ich so manche Situation zu negativ einschaetze. Nicht, dass ich jetzt gar nichts mehr negativ einschaetzen will, nein, nein.
Und manchmal spuer und bemerke ich sogar schon, dass ich gerade eine Situation optimischer einschaetze als andere. Und das aus voller Ueberzeugung. Abe3r ist das vieleicht hauptsaechlich in Situationen, in denen es um Kaempfen und Durchhalten geht und mein Ehrgeiz mir sagt, dass ICH das schon schaffen werde? Ist mein Optimismus hier also damit begruendet, dass ich an mich selbst in diesem Bereich hohe Ansprueche habe? Und waere der Umkehrschluss dann nicht, dass gerade bei Themen, die ich so gar nicht beeinflussen kann, mein Pessimismus wieder zum Tragen kommt?

Bin ich etwa Optimist beim Thema Atomausstieg von Deutschland? Fuer die naechste Klimakonferenz? Allgemeine Vernunft in der Politik? Menschlichkeit in unserer Gesellschaft? Bessere bzw. akzeptable Arbeitsbedingungen fuer die so vielen Berufsgruppen, die sich unter manchmal unemsnchlichen Bedingungen tagtaeglich den Arsch aufreissen?
Nein. Bin ich nicht.

Ok. Gegenbeispiel waere natuerlich mein Glauben an die Meisterschaft und eine erfolgreiche Champions-League-Teilnahme des Fc Bayern bei gleichzeitigem Nicht-Abstieg der Fortuna. Aber ja, beim Thema Fussball bin ich (wie jeder) einfach sehr subjektiv.

Hm. Wenn ich mir naehere Gedanken mache, gibts in diesen grossen Themen aber vielleicht auch einfach sehr wenige Optimisten. Paar Gruene vielleicht. Ein paar Idealisten. Und ein paar Traeumer.
Vielleicht ist der Unterschied ziwschen mir und der Masse hier: Ich sehe (noch?) keinen Grund, mir keine Gedanken mehr darueber zu machen. Ich habe noch ne Meinung zu Kyoto. "Schade" ist vom Durchschnittsbuerger gesagt - aber noch lange nicht gefuehlt.

ist das der Grund fuer meinen Pessimismus?
Dass ich ganz simpel die Fakten nicht ignoriere?
Wenn, dann ware das doch nicht der falsche Weg, oder?

Nur .. und jetzt kommt natuerlich sofort der Skeptiker in mir hervor .. haben hier nicht vielleicht sogar die anderen Recht? Wie will man gluecklich und zufrieden sein, wenn man die Probleme der Welt persoenlich nimmt?

Gute Frage. Gute Frage.

66. Talking bout ...

Nachem wir dann unser Glueck gar nicht fassen konnten, das Zimmer eingenommen und uns breit gemacht hatten, war natuerlich die Abendplanung angesagt.

Ein wenig einkaufen noch? Klaro.
Radler-Six-Pack? Klaro.
Ein spanisches Bier auf den Tag in der Bar um die Ecke trinken? Klaro.

Witzigste und zugleich abstruseste Situation des restlichen Abends:

Alex, in der Badewanne, aus dem Bad rufend:

"Du, ich sprech jetzt mal was in mein Handy - und Du musst dann zur Herbergsmutter und ihr die spanische Uebersetzung vorspielen. Geht das klar?"

Hm? Wie jetzt? Worum gehts denn? Das fuehrt doch, wie immer, nur zu babylonischen Sprachunklarheiten!
Also lieber mal nachgefragt.
Und der Satz auf Deutsch: "Haben Sie bitte eine Rohrzange?"
:D

Und nein, ich bin nicht gegangen.
Ich hab mich einfach solang geweigert und drueber gelacht, bis Alex alleine das Wasser anbekommen hat.
Leute, Leute.

Weiteres vom Tag:
Alex arbeitet bei der Sicherheit am Muencher Flughafen. Feldbusch ist doof, Klitschko Profi und cool.

PS: Die Herberge war das Zuhause von suessen Katzenbabys. Nur leider mit kaputtem Fuss. Fotos folgen.

65. Klitschko & Feldbusch

Na gut. Die Realitaet bzw. unsere Entscheidung fuer den Abend war dann doch ein wenig langweiliger. Nach knapp 37 km an dem Tag haben die Verhandlungskuenste von Alex und die Sicherheit fuer eine Herbergsmutter, dass alternativ an diesem Tag ihr Zimmer leer bleiben wuerde, dazu gefuehrt, dass sie mit sich handeln lassen hat und wir fuer 1 Zimmer mit Ehebett fuer mich und und ner nicht ungemuetlichen Liege fuer Alex + eigenem Bad mit (und Achtung, jetzt kommts!) EIGENER BADEWANNE statt 15 Euro nur noch jeweils 10 Euro zahlen mussten.
Mehr, als ich bezahlen wollte - aber nach diesem Tagestrip ein geeignetes Nachtquartier.

Witz an der Sache:
Wieso genau, weiss ich nicht, aber bevor die Herbergsmutter sich auf 10 Euro herunterhandeln liess, zog sie das Bett ab. Ohne Bettbezug also 10 Euro. Wegen mir. Deal!

Donnerstag, 16. August 2012

64. Irgendwo im ...

Tja. Weiter solls gehen. Doch wohin eigentlich? Die naechste Etappe in meinem Pilgerfuehrer ist 22,8km lang, mit den 25,8 von vorher ne unmoegliche Leistung - vor allem, da es eben zusaetzliche ueber die Pyrenaen ging.
Aber hey. Was ist schon unmoeglich? Einfach mal drauf los ist doch manchmal auch ein Plan!

Doch nach weitern 10km merken wirs schon, dass die Frische schnell aus Muskeln und Koerper schwindet. Irgendwas muss her. Worauf man schlafen kann. Doch die Etappe schaffen wir heute auf keinen Fall. Also muessen wir auf private Herbergen ausweichen.

Alex hat sich auf seinen Trip hierher ein wenig vorbereitet, ne Handy-Deutsch-Spanisch-Uebersetzungs-App, dazu noch ne Flatrate ins spanische Festnetz (kleiner Witz), ausserdem ein paar hilfreiche Saetze wie "Was kostet das billigste Zimmer bei Ihnen?" bringen uns langsam weiter.
Trotzdem wollen sie in den ersten Herbergen 15+X Euro. No Way.

Also wir dann aber gluecklicherweise auf einen Supermarkt treffen, in dem wir uns fuer den Abend und den naechsten Morgen ruesten koennen, sehen wir ploetzlich viele Moeglichkeiten fuer uns!
Outdoor? Es ist warm genug. Alex hat ne Plane und ne Isomatte, ich hab ein Regencap, wir beide Schlafsaecke. Wir wuerdens ueberleben!
Vielleicht in einer Ruine? Oder verschanzen wir uns in ner gerade gefundenen, offen, aber leer stehenden Sporthalle?

Ein Abenteuer steht bevor.

63. Die Bayern und die Schwaben, die hatten einen Streit ...

Vermutlich können die Hälfte der Leute, die dies hier nun anhören werden, fast nichts verstehen. :)
Aber es passt gerade so schoen zum Aufeinandertreffen von nem Franken und nem Bayern in Spanien/Frankreich!

62. Keine Chance, etwas aufzuhalten.

Erst wenn es zu Ende ist, sehen wir, dass es keine Ziele gibt,
und dass so vieles, das wir tun, Zeitverschwendung ist.
Erst wenn das Ende kommt, werden uns die Fehler klar,
die jeder Mensch im Lauf der Zeit immer wieder macht.

Was willst du behalten außer Deiner Erinnerung?
Sie wird das Allerletzte sein, was du noch geben kannst.

Erst wenn wir das Ende sehen, beginnen wir zu verstehen,
worum es eigentlich für uns im Leben geht.
Wenn vor uns das Ende liegt und wir alleine sind,
erkennen wir für uns das Glück, das wir sonst nie sehen.

Wie ein Netz wirft sich der Regen über das ganze Land,
klopft an unser Fenster und erinnert uns daran,
dass es kein Leben ohne Schmerz gibt, ohne Suche nach dem Sinn,
keine Chance etwas aufzuhalten, keine Chance etwas zurückzudrehen.

Erst wenn es zu Ende ist, sehen wir, dass es keine Ziele gibt,
und dass das meiste, was wir tun, Zeitverschwendung ist...

61. Der Schnarchsaal in Roncesvalles

25,9km liegen nun hinter mir.
Spanien ist erreicht.
Frankreich hinter mir gelassen.
Die Pyrenaen sind ueberquert:
Roncesvalles liegt vor mir.

Fuer die meisten Pilger ist Roncesvalles wohl das heutige Etappenziel. Eine kirchliche Herberge, Unterbringung in einem "beeindruckenden mittelalterlichen Schlafsaal mit 120 Betten" mit "vorzueglicher Schnarchakustik (ein sogenannter Schnarchsaal)".

Hoert sich lustig an.
Doch fuer mich und Alex gehts noch weiter.
Pyrenaen waren nicht einfach. Er ist knapp 6km spaeter gestartet (hat sich also gestern schon auf den Weg gemacht) - und mein Koerper fuehlt sich auch noch fit an.

Ja, lass uns weiter gehen.
Nur ein ganz kleines bisschen.

60. Die ersten Wegbegleiter

Beim Wohnwagen-Franzosen treff ich dann auch gleich meine erste (wirkliche) Bekanntschaft: Alex aus Landshut (stellt sich spaeter als 42 Jahre alt heraus, sieht aber 5-10 Jahre juenger aus), der mit 3 Italienern namens Sarah, Emmanuelle und Yari unterwegs ist.
Ich schliess mich dem Vierergespann an, wenngleich die Kommunikation auch eher einseitig ist und auf Deutsch pasiert, weil die 3 Italiener fast kein Englisch sprechen.
Da Alex und ich aber eh deutlich flinker unterwegs sind, splittet sich die Gruppe auch schnell wieder auf.

Kurz bevor wir dann Roncesvalles, die erste spanische Ortschaft, erreichen, lese ich in meinem Pilgerfuehrer:

"Nach einem langen Tag sollten Sie besonders jetzt gut Acht geben, dass Sie nicht auf den letzten Metern durch falschen Ehrgeiz oder aus Panik, zu spaet die Herberge zu erreichen, keine Ruecksicht auf ihre Fuesse nehmen und sich diese gleich au Anfang der Pilgerreise versauen. Verpassen Sie also nicht den Einstieg zum einfacheren Umweg nach Roncesvalles, denn der direkte Weg ist steil und steinig. Achten Sie jetzt auch gut auf Ihre Fuesse, die bei diesem Abstieg erfahrungsgemaess leicht Blasen entwickeln."

Ne deutlichere Warnung gibts ja wohl eigentlich nicht, oder?

59. Die Welt und ein Huhn

Tja. Jetzt sind die Atheisten sprachlos.

58. Die Grenze

Und ploetzlich steht er da.
Ist er eine Fata Morgana?
Hab ich mich uebernommen, bin umgekippt und traeume gerade?
Was ist los?

Vor mir steht ploetzlich ein Wohnwagen. Und daneben knapp 10 Leute. Ok, fast alle mit Rucksack. Spricht gegen eine Wahnvorstellung. Doch dann fliegen sie los .... Quatsch. Kleiner Witz am Rande. Mal sehen, dieser Witz gefaellt mir gerade, vielleicht kommen solche Dinger jetzt demnaechst hier oefter. Natuerlich immer mit Aufloesung.
Knapp 10 Pilger. Aufschriften auf dem Wohnwagen, in verschiedenen Sprachen: "Letzter franzoesischer Stempel". Das heisst, die spanische Grenze steht kurz bevor! Der letzte franzoesische Stempel? Nkay.
Hol ich mir. Ein Franzose, der Deutsch spricht, will mit diesen Stempel, touristen- und zielgruppenwirksam, wie man schon allein an der Meute, aber auch an meinem Interesse fuer diese kuriose Situation, erkennen kann, Leute anlocken, um, selbstnafreilich, dann auch Getraenke, Muesliriegel, Schokozeug und allerlei, was Schweissdurchtraenkte Pilgern Energie, kurze Erholung, Entspannung und Elektrolyte (Gruss an Herrn Lehmann) verspricht.
Und das Interessanteste: Er fuehrt taeglich ne Liste von allen Pilgernatonen, die vorbeigekommen sind. Und ich war heute erst der fuenfte Deutsche. Von kanpp 30 Personen. Eine Quote, die die Zahlen aus Saint-Jean-Pied-de-Port von gestern nicht ganz bestaetigen. Der erste Beweis, dass man hier Statistiken nicht so trauen sollte?

57. Wo bin ich? Schon am Limit?

Ja. Volle Kraft voraus.
Gelbe Pfeile? Wegweiser? Schafherden? Bauern?
Ich lass alles links und rechts liegen.
Wo bin ich? Schon am Limit?

Das sollen die Pyrenaen sein? Pah.
Hm. Na gut. Arschkalt ists. Und ich schwitz wie eine Elchkuh. Im Sommer. Beim Triathlon. In Spanien. In der Mittagszeit. Und na gut, es geht dauernd und mit boesen und brutalen Geschwindigkeitswechseln bergauf. Steil..

Aber hey.
P-Y-R-E-N-AE-N!
Das muss ja auch so sein! Und noch viel mehr! Zumindest hab ich mir mehr erwartet. Pyrenaen! Das ist doch nicht einfach der Staffelberg. Nicht nur die Altenburg (Fuer Ortsunkundige: Berg bzw. Burg rund um meine Heimatstadt).
Ich mein ... Es darf doch nicht sein, dass man die Pyrenaen einfach mal so ueberquert.
Oder? Darf das sein?

Ich mein .. Abgesehen von 4 Litern Schweissverlust (gefuehlt: 10 Liter) gehts mir gerade top. Ok. Ich hab auch gerade mal langsam die Spitze erreicht. Aber Abstiege mag ich. Wie schwer soll das sein?

Ueber die Pyrenaen?
Das ist doch .. wie ne Alpenueberquerung! War die Leistung von Hannibal wirklich "nur" so gross wie meine? Oder das Ural-Gebirge! Ist die Grenzse zum Osten wirklich zu Fuss mit Gepaeck an eineme Tag so "leicht" zu ueberqueren? Und sind die Karpaten oder die deutschen Gebirge nicht dann auch ein Witz?

Ich hatte mehr erwartet.
Oder ... war das alles ... bisher nur der Vorgeschmack?

Mittwoch, 15. August 2012

56. Schnee in den Pyrenaeen. Und ich in kurzer Hose.

Ich hatte ja gehofft, dass der dichte Nebel und das ploetzliche Gefuehl der Einsamkeit, das wohl simplerweise daraus resultierte, dass ich da oben ploetzlich allein war, meine einzigen "Probleme" bleiben wuerden.

Doch als es dann auf einmal kaelter und kaelter - und bloederweise dann noch einmal kaelter, stand ich vor der Herausforderung, die ich gefuerchtet hatte: Frieren.

Durchgeschwitzt von den Anfaengen der Bergetappe hab ich mir also erstmal meinen Pulli angezogen - der Schweiss auf meinem Koerper hatte ihn dann allerdings sehr schnell komplett durchtraenkt, so dass zwar eine gewisse Grundreibungswaerme entstand, viel mehr nun aber der kalte Schweiss in der Kleidung mich weiter herunter kuehlte.

Ich hatte im Voraus schon genau ueber dieses Kaelteprobleme nachgedacht und die einzige Loesung, die mich aus dieser Situation herausfuehrte und mir schon vorher eingefallen ist, war auch die einzig realisierbare:

Stoff geben!
Anziehen!
Den Turbo rein hauen!

Auf Deutsch: Schneller laufen.
Und den Koerper dabei, schwitzend, auf 120 % Betriebstemperatur bringen.

Volle Kraft voraus, Titanic.
Wir sind unzerstoerbar.

Sonntag, 5. August 2012

55. Der Nebel des Krieges

Die ersten 2 Doerfer, die ich auf der heutigen Bergetappe ueber die Pyrenaen zu durchqueren muss, habens schon in sich.
Von 200 auf 800 Hoehenmeter - in knapp 7,5 Kilometern nur, also 1,5 Stunden maximaler Antrieb notwendig.
Und dann kommt der eigentliche Weg ueber die Pyrenaen ja erst.

Weitere 600 Meter hinauf, teils auf richtig gefaehrlichen Geroellpisten, von Nebel verhangen, so, dass eine Sichtweite von 10 Metern schnell zum Luxus wird.
Hier hat sich Hape Kerkeling (darauf wurde ich im Nachhinein aufmerksam gemacht) wohl so verlaufen, dass er sich von einem Viehtransporter irgendwann hat mitnehmen lassen, orientierungslos.

Ich selbst hab mich zwar nicht verlaufen, war aber mehrere Male kurz davor - Pfeile und Wegweiser im dichten Nebel zu erkennen ist wirklich nicht sichergestellt.

54. If i could start again, a million miles away

I hurt myself today,
To see if I still feel,
I focus on the pain,
The only thing that's real,

The needle tears a hole,
The old familiar sting,
Try to kill it all away,
But I remember everything,

What have I become,
My sweetest friend,
Everyone I know,
Goes away in the end,

And you could have it all,
My empire of dirt,
I will let you down,
I will make you hurt,

I wear this crown of thorns,
Upon my liars chair,
Full of broken thoughts,
I cannot repair,

Beneath the stains of time,
The feelings disappear,
You are someone else,
I am still right here,

And you could have it all,
My empire of dirt,
I will let you down,
I will make you hurt,

If I could start again,
A million miles away,
I will keep myself,
I would find a way.

53. Die erste Entscheidung

Ein paar Meter gelaufen, schon muss die erste Entscheidung getroffen werden.

Version A: Landstrasse, eindeutig notwendig, diese bei schlechtem Wetter und in der Winterzeit zu waehlen, weil
Version B: sonst zu gefaehrlich und unmoeglich ist, da es direkt die erste Bergetappe auf die Pyrenaeen ist.

Hm.
Ich hab ueber 800 km vor mir.
Ists nicht sinnvoller, bei Moeglichkeiten wie diesen erstmal die leichtere Version zu waehlen?
Ja, schon. Eindeutig.

Problem: Alle anderen gehen den gefaehrlichen Weg.
Und ein Spielverderber oder Weichei will ich ja auch nicht sein.
Nicht bei der ersten Etappe. Und nicht, wenn ich noch topfit bin.

Gruppenzwang. Gruppendynamik.

Ich geh den schweren Weg.

Samstag, 4. August 2012

52. Die heutige Huerde

Durchs bergige Dorf zu laufen ist kein Problem.
Meine ersten Huerden bilden eher die Partyspanier dar, die alles machen, nur nicht einfach mal ne Sekunde auf dem Weg ruhig zu sein. Doch bevor sie mir schon jetzt wieder zu unsymphatisch werden koennen, gruessen sie mich ploetzlich:

Buen Camino!

Der wahre Gegner des heutigen Tages ist also dann auch schnell gefunden:

Die Pyrenaen!

Kurz zuvor wirds mir dann auch wieder richtig bewusst:

Du bist wieder unterwegs!
800 km.
Und sie liegen vor Dir.

51. Pilgertag 1: Jetzt gehts los, jetzt gehts los

Praktisch: Ohne Wecker ist man auf dem Camino genauso gut dran wie mit: Man wird ja eh durch die ersten Fruehaufsteher ohne Ruecksicht aufgeweckt.

So sitz ich hier also um 6.30 Uhr am Fruehstueckstisch (Fruehstueck gibts nur bis 7.30 Uhr), trink bissl Tee und Luft(weiss)brot, bevor ich knapp 7 Uhr aufbreche und die erste Tagesetappe vor mir leigt.

Frueh sind hier auf dem Weg erstmal ueberall Grueppchen zu finden, die sich allerdings eh alle nach und nach aufloesen werden.

3 Maedels, um die 20 Jahre, laufen kurz langsam vor mir her und machen Spaesse. Vermutlich unterschaetzen sie gerade, was da heute und allgemein vor ihnen liegt.
Die unterschiedlichen Laufstile der Leute kann man auf den ersten Blick schon erkennen. Maenner gehen ehrgeizig voran. Frauen schauen noch in Schaufenster.

(Na gut, das war jetzt ne Einzelfallbeobachtung, ich gebs zu ...)

50. Zufriedenheit

Ich bin unzufrieden mit diesem Post.
Ich hab angekuendigt, im 50ten Post etwas ueber Zufriedenheit zu schreiben.
Allerdings ergibt sich hier in Spanien einfach nicht die Zeit dafuer.
Deswegen verschieb ich das nach hinten und mach erstmal mit dem weiteren, "normalen" Verlauf dieses Reiseberichts weiter.
Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben!